Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Wann sie passt und wann nicht
Die Heizung im Mehrfamilienhaus ist zwanzig Jahre alt, die nächste Eigentümerversammlung steht an, und irgendjemand hat das Wort Wärmepumpe in den Raum geworfen. Der eine Eigentümer hat gehört, das funktioniere im Altbau ohnehin nicht. Der andere kennt jemanden, bei dem es hervorragend läuft. Beide können recht haben, weil es am Gebäude hängt. Ob eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus passt, entscheidet sich an drei nüchternen Größen: der Heizlast, der nötigen Vorlauftemperatur und dem Zustand der Heizflächen.
Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus: Die Heizlast ist der Startpunkt
Bevor irgendjemand über Fabrikate spricht, muss klar sein, wie viel Wärme das Gebäude an einem kalten Wintertag tatsächlich braucht. Genau das leistet eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Sie schaut sich jeden Raum einzeln an: Außenwände, Fenster, Dach, angrenzende Wohnungen. Was dabei herauskommt, weicht in Bestandsgebäuden oft deutlich von der Leistung des alten Kessels ab. Wer diese Leistung einfach übernimmt, kauft in der Regel zu groß ein. Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet, verschleißt schneller und verbraucht mehr Strom als nötig. Eine zu kleine kommt an den kältesten Tagen nicht hinterher und heizt teuer mit dem Heizstab nach.
Die Heizlast ist außerdem die einzige belastbare Grundlage, um Angebote später überhaupt vergleichen zu können. Fehlt sie, vergleichen Sie Zahlen, die auf ganz unterschiedlichen Annahmen beruhen.
Vorlauftemperatur: Hier entscheidet sich die Effizienz
Eine Wärmepumpe arbeitet umso sparsamer, je niedriger die Temperatur ist, die sie erzeugen muss. Der Unterschied zwischen zum Beispiel 55 und 40 Grad Vorlauf ist im Betrieb kein Detail, sondern macht sich jedes Jahr auf der Stromrechnung bemerkbar. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Wärmepumpe ja oder nein“, sondern: Mit welcher Vorlauftemperatur wird dieses Gebäude an den kältesten Tagen warm?
Das lässt sich prüfen, nicht raten. Ein Test in der Heizperiode zeigt, ob die Wohnungen auch mit abgesenkter Vorlauftemperatur warm werden. Häuser, bei denen Fenster, Dach oder die oberste Geschossdecke schon erneuert wurden, liegen dabei häufig besser, als die Eigentümer erwarten.
Heizkörper im Bestand: Nicht alles muss raus
Der verbreitete Satz „Für eine Wärmepumpe brauchen Sie überall Fußbodenheizung“ stimmt so nicht. Viele Bestandsheizkörper sind großzügig ausgelegt und kommen mit niedrigeren Temperaturen gut zurecht. Entscheidend ist die einzelne Wohnung, nicht das Gebäude als Ganzes. Die raumweise Berechnung zeigt meist, dass nur wenige Räume nachgebessert werden müssen. Dafür gibt es mehrere Wege:
Einzelne Heizkörper tauschen, meist in Räumen mit viel Außenwand oder großen Fenstern
Heizflächen ergänzen, statt alles komplett zu ersetzen
Hydraulischen Abgleich durchführen, damit die Wärme dort ankommt, wo sie gebraucht wird
Einzelne Problemräume mit Gebläsekonvektoren nachrüsten
Wann eine Wärmepumpe eher nicht die erste Wahl ist
Es gibt Konstellationen, in denen wir offen abraten oder zumindest eine zweite Variante danebenstellen:
Das Gebäude ist unsaniert und braucht auch beim besten Willen sehr hohe Vorlauftemperaturen.
Für die Außeneinheit fehlt ein Aufstellort, der den Schallschutz zur Nachbarbebauung einhält.
Der Hausanschluss reicht ohne aufwendige Ertüchtigung nicht aus.
Im Quartier steht Fernwärme zur Verfügung und ist für dieses Haus die wirtschaftlichere Lösung.
Die Gemeinschaft plant in den nächsten Jahren ohnehin Arbeiten an der Gebäudehülle. Dann lohnt es sich, zuerst die Reihenfolge zu sortieren.
In solchen Fällen ist die ehrliche Antwort ein Variantenvergleich statt einer schnellen Festlegung. Genau dafür ist ein Energiekonzept da. Es stellt die realistischen Varianten nebeneinander und klärt, welche Fördermittel für Ihr Vorhaben in Frage kommen, damit kein Fördergeld liegen bleibt. Wichtig zur Abgrenzung: Ein Energiekonzept ist kein iSFP. Der individuelle Sanierungsfahrplan ist eine geförderte Gesamtberatung inklusive Gebäudehülle und wird von zertifizierten Energieberatern erstellt. Wenn Sie das brauchen, sagen wir Ihnen das und vermitteln weiter.
So gehen wir im Rhein-Main-Gebiet vor
Wir sind zu zweit und arbeiten unabhängig. Wir verkaufen keine Anlagen und nehmen keine Provision von Fachbetrieben. Sie bezahlen uns für die Prüfung, und genau deshalb dürfen wir Ihnen von einer Wärmepumpe abraten, wenn sie nicht passt. Der Weg sieht bei uns so aus:
Bedarf klären und die Heizlast raumweise berechnen
Varianten im Energiekonzept vergleichen und die Förderrichtung einordnen
Die Anforderungen im Anforderungskatalog festhalten, damit alle Betriebe dasselbe kalkulieren
In der Regel drei Angebote von geprüften Fachbetrieben einholen und auf Vollständigkeit, Plausibilität und faire Preise prüfen
Nach der Ausführung im Fertigstellungs-Check prüfen, ob geliefert wurde, was beauftragt war
Entscheiden tun Sie. Wir sorgen dafür, dass Sie wissen, worüber Sie entscheiden, und dass die Zahlen in den Angeboten auf derselben Grundlage stehen.
Schildern Sie uns kurz Ihr Vorhaben. Wir melden uns zeitnah für ein unverbindliches Erstgespräch.
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